Die kurze Antwort
Die Grachtenhäuser in Amsterdam sind schmal, weil Land am Wasser knapp und teuer war und in schmalen Streifen verkauft wurde. Die Eigentümer bauten hoch und tief statt breit: Ein Haus, das nur wenige Fenster breit ist, kann von der Gracht aus ein Mehrfaches seiner Breite nach hinten reichen.
Jeder Meter Gracht war Geld
Eine Gracht im Amsterdam des 17. Jahrhunderts war Straße und Hafen zugleich. Waren kamen mit dem Boot bis an die Haustür, und deshalb zahlte ein Kaufmann für einen Platz am Wasser. Als die Stadt ab 1613 ihren Grachtengürtel anlegte, teilte sie die Ufer in lange, schmale Grundstücke und gab so möglichst vielen Käufern ein Stück Kai.
Oft heißt es, die Häuser seien nach der Breite ihrer Front besteuert worden. Welche Rolle die Steuer auch spielte, der Preis des Bodens war Grund genug. Wer sich eine breite Front leisten konnte, gab damit an. Genau das taten die Brüder Trip, als sie einen einzigen Palast über zwei Grundstücke bauten.
Vorn schmal, nach hinten lang
Was du von der Straße aus siehst, ist die schmale Seite. Hinter dem Vorderhaus lag meist ein Hof und dahinter ein zweites Gebäude, das Achterhuis, das Hinterhaus. Die Räume, in denen sich Anne Frank und ihre Familie versteckten, waren ein Achterhuis, von der Gracht aus nicht zu sehen.
Den Rest entschied der Boden. Amsterdam steht auf nassem Torf, und jedes Haus ruht auf Holzpfählen, die bis in eine Schicht aus festem Sand etwa zwölf Meter tiefer getrieben wurden. Fundamente waren teuer, also baute man auf kleiner Grundfläche in die Höhe.
Was die Enge mit den Häusern machte
Ein hohes Haus auf einem schmalen Grundstück hat steile, enge Treppen, und Möbel kommen dort nicht hinauf. Deshalb ragt an fast jedem alten Haus weit oben ein Balken mit einem Haken heraus: Waren und Möbel wurden außen hochgezogen und durch die Fenster hineingeholt. Viele Fassaden neigen sich absichtlich nach vorn, damit eine Last am Seil frei von der Wand schwingt.
Weil in der Breite wenig zu machen war, steckten die Eigentümer ihr Geld in den oberen Abschluss. Am Giebel zeigt ein Amsterdamer Haus sein Alter: Treppengiebel an den ältesten, schlichte Schnabelgiebel an Lagerhäusern, der hohe Halsgiebel ab den 1630er-Jahren und der geschwungene Glockengiebel des 18. Jahrhunderts.
Wo es zu sehen ist
- Trippenhuis Das Trippenhuis ist ein doppeltes Grachtenpalais am Kloveniersburgwal, erbaut von 1660 bis 1662 für die Brüder Louis und Hendrick Trip, die Waffenhändler waren.
- Anne-Frank-Haus Das Anne-Frank-Haus ist das Grachtenhaus an der Prinsengracht 263, in dem sich Anne Frank, ihre Familie und vier weitere Menschen von 1942 bis 1944 versteckten, in Räumen im hinteren Teil der Firma ihres Vaters.
- Ons’ Lieve Heer op Solder Ons’ Lieve Heer op Solder ist ein Grachtenhaus aus dem 17.
- Rembrandthaus Das Rembrandthaus ist das Haus an der Jodenbreestraat, in dem Rembrandt van Rijn von 1639 bis 1658 lebte und arbeitete.
Unterwegs in Amsterdam? Richte dein Handy auf das, wovor du gerade stehst, und ich erzähle dir die Geschichte dazu.
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